Ein Kalb wird geboren und wenige Wochen später kann es bereits auf einem Transporter stehen.... 

In der Milchproduktion sind Mast und Aufzucht meist nach Betrieben räumlich getrennt. Statt die Kälber am Geburtshof selbst aufzuziehen oder zu mästen, werden sie deshalb häufig an spezialisierte Betriebe verkauft und dorthin transportiert. Dahinter steht vor allem eines: Profitmaximierung. Spezialisierte Betriebe können die Aufzucht oder Mast effizienter organisieren, somit werden höhere wirtschaftliche Gewinne erzielt, dass Kälber darunter leiden, wird dabei in Kauf genommen. 

Allein in Deutschland wurden laut letzter Zählung des Statistischen Bundesamtes jährlich rund 295.700 Kälber geschlachtet, das sind etwa 810 Kälber pro Tag. Offiziell als Kälber zählen in der Statistik nur Tiere bis einschließlich acht Monate. Ältere Jungtiere, Bullen oder Kühe werden separat erfasst, die Zahl aller geschlachteten Rinder ist also deutlich höher.

Ein Großteil der Kälber wird zur Mast ins Ausland transportiert, vor allem in die Niederlande. Schätzungsweise 500.000 bis 700.000 deutsche Kälber werden jährlich dorthin transportiert und für die Kalbfleischproduktion gemästet. 

Besonders problematisch ist der Transport für Kälber, die noch nicht abgesetzt sind. Das bedeutet: Sie sind noch nicht vollständig auf feste Nahrung umgestellt. In diesem Alter würden Kälber natürlicherweise noch Milch bei ihrer Mutter trinken. Gerade in dieser Phase sind sie besonders anfällig gegenüber Stress und Fütterungsunterbrechungen.

Während eines Transports kommen mehrere Belastungen zusammen: Enge, Lärm, Bewegung und eine Unterbrechung der Fütterung. Gerade für junge Tiere mit einem noch unreifen Immunsystem beeinflusst dies Wohlbefinden und Gesundheit. Zudem ist die Versorgung nicht angepasst auf die Bedürfnisse der jungen Kälber. Nicht abgesetzte Kälber bekommen während des Transports häufig Wasser oder Elektrolyte, aber keine Milch. Vorhandene Tränkesysteme können sie oft nicht nutzen, weil sie nicht auf ihr Saugverhalten ausgelegt sind. Das führt zu Hunger und Dehydrierung. Ob und wie stark das zutrifft, hängt allerdings davon ab mit welchem Alter die Kälber transportiert werden, sowie von der jeweiligen Transportdauer und den Fütterungsintervallen. 

Ab wann dürfen Kälber transportiert werden?

EU-weit sind Transporte unter bestimmten Bedingungen bereits ab dem 7.–10. Lebenstag erlaubt. Ab dem 14. Lebenstag gelten schon weniger Einschränkungen, uneingeschränkt innerhalb Deutschlands ist es ab dem 28. Lebenstag erlaubt.

Auch bei der Transportdauer gibt es gesetzliche Grenzen. Für nicht abgesetzte Kälber sind innerhalb Deutschlands grundsätzlich bis zu 8 Stunden erlaubt. Bei Temperaturen über 30 °C während des Transports reduziert sich die zulässige Dauer auf 4,5 Stunden. Bei grenzüberschreitenden Transporten können nach EU-Regeln bis zu 9 Stunden am Stück, einer Versorgungspause und weiteren 9 Stunden zulässig sein. 

Wie wird die Einhaltung der Transportvorschriften kontrolliert? 
Die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben wird von den zuständigen Veterinärbehörden kontrolliert. Allerdings finden Kontrollen in der Praxis überwiegend stichprobenartig statt, sodass nicht jeder Tiertransport überprüft wird. 

Daher wird immer wieder kritisiert, dass die bestehenden Kontrollen nicht ausreichen, um Verstöße flächendeckend aufzudecken. Zudem stehen die verhängten Bußgelder teilweise in keinem angemessenen Verhältnis zum verursachten Tierleid.

 

Lange Kälbertransporte sind keine Ausnahme, sondern Teil eines Systems.