Unsere Ernährung hat großen Einfluss auf das Leben von Tieren. Weltweit werden jedes Jahr rund 83 Milliarden Tiere für den menschlichen Verzehr getötet. Etwa 70 Milliarden davon stammen aus industrieller Haltung. Das 3R-Prinzip zeigt, wie jede und jeder durch bewusste Entscheidungen dazu beitragen kann, Tierleid zu verrigern.

 

Das 3R-Prinzip

Reduce – reduzieren

Je weniger tierische Produkte wir konsumieren, desto weniger Tiere werden gezüchtet, gehalten, transportiert und geschlachtet. Bereits kleine Veränderungen im Alltag können dazu beitragen, die Nachfrage nach tierischen Produkten zu senken.

Replace – ersetzen

Hafer-, Soja-, Erbsen- und andere pflanzliche Alternativen machen es heute einfacher denn je, Milchprodukte im Alltag zu ersetzen. Eine pflanzliche Ernährung vermeidet die Nutzung von Tieren und gilt daher als die tierfreundlichste Ernährungsweise.

Refine – verbessern

Wer nicht vollständig auf tierische Produkte verzichten möchte, kann beim Einkauf auf möglichst tierfreundliche Haltungsformen achten. Bei Milchprodukten kann beispielsweise die kuhgebundene Kälberaufzucht ein Hinweis darauf sein, dass Kälber mehr Kontakt zu ihren Müttern haben und ihre natürlichen Bedürfnisse stärker berücksichtigt werden.
Das 3R-Prinzip zeigt, dass jeder Schritt zählt: weniger tierische Produkte konsumieren, pflanzliche Alternativen wählen und dort, wo tierische Produkte gekauft werden, auf höhere Tierwohlstandards achten. So kann jede Kaufentscheidung dazu beitragen, das Leid von Tieren zu reduzieren.

 

LABEL-CHECK:

 Was sagt die Verpackung wirklich über das Kalb?

Bio, Weide, Heu – viele Begriffe auf Milchverpackungen klingen nach mehr Tierwohl. Doch nicht jede Bezeichnung verrät tatsächlich etwas darüber, wie ein Kalb aufwächst oder ob es bei seiner Mutter bleiben darf. Unser Label-Check zeigt, was diese Begriffe wirklich aussagen.

BIO
In der Bio-Haltung gelten strengere Vorgaben für Fütterung und Haltung. Kälber müssen früher oder später in Gruppen gehalten werden, haben mehr Platz und erhalten Auslauf. Wenn Kälber enthornt werden, ist dies nur unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt.
Was bedeutet das nicht?
Bio bedeutet nicht, dass Kälber bei ihren Müttern bleiben dürfen. Auch in der Bio-Milchviehhaltung werden Kälber meist kurz nach der Geburt von der Mutter getrennt. Männliche Kälber werden zudem häufig an andere Betriebe abgegeben und für die Fleischproduktion gemästet.
Für das Kalb:
Die Haltungsbedingungen sind zwar besser geregelt, Mutterschutz, Mutterkontakt oder eine besonders tiergerechte Aufzucht sind dadurch jedoch nicht automatisch garantiert.

 

WEIDEMILCH
Weide ja – aber was ist mit dem Kalb?
Was bedeutet das?
Bei Weidemilch müssen die Kühe während der Weidesaison für eine festgelegte Mindestanzahl an Tagen und Stunden Zugang zur Weide haben. Dadurch können die Tiere natürliche Verhaltensweisen wie Grasen besser ausleben.
Was bedeutet das nicht?
Der Begriff „Weidemilch“ ist nicht gesetzlich geschützt. Die genauen Anforderungen unterscheiden sich je nach Anbieter oder Label. Außerdem beziehen sich die Vorgaben in erster Linie auf die Kühe und nicht auf die Kälber.
Für das Kalb:
Dass die Mutterkuh auf der Weide steht, sagt nichts darüber aus, wie das Kalb aufgezogen wird, ob es bei seiner Mutter bleibt oder unter welchen Bedingungen es lebt.

 

HEUMILCH
Anderes Futter = andere Kälberhaltung?
Was bedeutet das?
Heumilch stammt von Kühen, die hauptsächlich mit Gras, Heu und anderen Raufuttermitteln gefüttert werden. Die Fütterung mit Silage ist bei Heumilch nicht erlaubt.
Was bedeutet das nicht?
Der Begriff beschreibt ausschließlich die Fütterung der Milchkühe. Aussagen über Weidegang, Mutter-Kalb-Kontakt oder die Aufzucht der Kälber lassen sich daraus nicht ableiten.
Für das Kalb:
Heumilch verrät nichts darüber, wie Kälber gehalten werden, wie lange sie bei ihrer Mutter bleiben oder was später mit ihnen geschieht.
Fazit
Bezeichnungen wie Bio-, Weide- oder Heumilch können Hinweise auf bestimmte Aspekte der Milchproduktion geben. Über das Leben der Kälber sagen sie jedoch oft wenig aus. Wer wissen möchte, wie Kälber tatsächlich aufwachsen, muss genauer hinschauen als auf die Begriffe auf der Verpackung.
 
Du möchtest mehr über Label, Haltungsbedingungen und pflanzliche Alternativen erfahren? In unserem Milch Check findest du weiterführende Informationen, Hintergründe und praktische Tipps für einen bewussten Konsum.
 
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