Acht Uhr sechs Samstag am Morgen. Neblig, die S-Bahn hat mal wieder Verspätung. Und gerade erhielt ich die Nachricht, dass eine Teilnehmerin nicht kommen kann. Sie sollte das Material mitbringen. Schafft Hanna das allein? Sie schafft es! In Frankfurt fühl' ich mich recht deplaziert. Mode, teuer, chic, so gar nicht mein Ding. Eine edle Einkaufsstraße, noch ist gar nichts los. Ich telefoniere mich mit Hanna zusammen. Laufe ihr entgegen, denn alles auf einmal kann eine Frau dann doch nicht tragen.
Dann sind wir auf der zugewiesenen Fläche gegenüber Woolrich. Ina und Hanna fangen gleich an, mit der Schablone einen Weg Richtung Store zu sprühen. Tina und ich machen Fotos und Videos für Social Media. Reichweite erhöhen! Der Parker und die Plakate mit den wunderschönen Tieren in engen Käfigen sind ein wichtiger Blickfang. Aus dem Geschäft rechts von uns kommt eine Frau. Die Besitzerin des benachbarten Ladens. Na, das gibt gleich Ärger, wenn das die Polizei sieht, sagt sie zu mir. Nein, das ist genehmigt, antworte ich. Ob ich wüsste, dass sie ihr Geschäft schließen muss, weil wegen der Proteste gegen Pelz bei Loro Piana die Kunden nicht mehr in die Stadt kommen. Das tut mir leid für sie, sage ich. Stimmt auch, was ihren Verlust ihres Geschäftes angeht; um die Leder- und Pelzprodukte tut's mir gar nicht leid, aber das sage ich nicht.
Wir verteilen Flyer und Postkarten, die an Woolrich gehen sollen. Viele Passanten nehmen die Postkarten an. Pelz ist wirklich nicht nötig, hören wir oft. Eine Frau mit einem kleinen Kind an der Hand sagt zu uns, sie lässt sich nicht vorschreiben, keinen Pelz zu tragen. Sie hat einen Labrador an der Leine. Der einzige negative Kommentar an diesem Tag.
Der Verkäufer hinter der Scheibe filmt uns. Vermutlich glaubt er, uns damit einzuschüchtern, und ahnt nicht, dass ich innerlich stattdessen jubiliere. Genau, was wir erreichen wollten!
Die Polizei kommt und fragt, ob alles in Ordnung ist. Ich höre die Polizistin leise sagen, es ist gut, dass jemand was macht.
Als wir zusammenpacken und gehen, sind wir glücklich. Wir waren Stimme für die Tiere, wir fühlen uns wirksam.